Somit machte ich mich Donnerstagabend im Nachtbus von Cusco
auf nach Arequipa, fand dort eine gute Tour, die Transport, Ausrüstung und
Guide zur Verfügung stellte und ruhte mich am Nachmittag in meinem Hostalzimmer
aus.
Der Chachani ist laut Reiseführer einer der leichtesten
6000er der Welt, insgesamt braucht man nur etwa 11-12 Stunden für die ganze
Tour in zwei Tagen und wird mit einem Spezialfahrzeug bis auf 4950 Meter Höhe
gefahren. Klingt nicht anspruchsvoll, oder? In der Folge: Mein Reisebericht.
Um etwa halb 10 brachen wir am Samstagmorgen gemütlich aus
Arequipa auf, ausgerüstet mit Nahrungsmitteln, 5 Litern Wasser pro Person,
Kleidung, Zelt, Pickel, Steigeisen und anderen kleinen Dingen, die man für eine
6000er-Besteigung so braucht. Unsere Gruppe bestand aus Eal aus Israel, einem
anderen Richard aus Peru und unserem Guide Adrian. Drei Stunden dauerte die
Fahrt und in der Hochebene sahen wir Vicuñas und Huanacos, seltene lamaähnliche Tiere. Irgendwann ging die
Straße nicht mehr weiter. Wir trafen Wanderer vom Vortag, die auf ihr Auto
warteten und die hatten eine aufmunternde Statistik für uns parat: Von den 26
Leuten ihrer Wandergruppe seien nur 7 am Gipfel angekommen.
Wir liefen dann mit unseren zentnerschweren Rucksäcken noch
etwa anderthalb Stunden bis zum Basiscamp auf 5180 Metern. Dort schlugen wir
die Zelte auf, packten die Rucksäcke für morgen um, ruhten uns aus und um 16
Uhr rief uns Adrian zum Abendessen. Es gab Suppe und danach Nudeln mit
Thunfischsoße.
Ich putzte noch schnell die Zähne, dann schlüpfte ich auch schon
in den Schlafsack im Zelt und wartete auf die Kälte. Die kam dank meinem
Super-Hightech-Schlafsack zum Glück nicht, dafür aber ein anderer ungeliebter
Besuch: Herr Kopfweh. Zudem war das Zelt nicht lang genug für mich und so tat ich
die ganze Nacht kein Auge zu. Um 1:30 Uhr am Morgen weckte uns Adrian. Die
anderen beiden hatten auch keine Minute geschlafen und selbst Adrian hatte nur
1,5 Stunden schlafen können. Das ist schon ein Phänomen auf dieser Höhe. Adrian
braute uns einen Tee aus Coca und dann brachen wir um kurz vor 2 Uhr auf. Es
war ein bisschen kalt. Ich trug 2 T-Shirts, 2 dicke Pullis, eine Fleecejacke
und eine richtige Jacke. Dazu eine Sporthose, eine Jeans und eine Schneehose
und es war trotzdem kalt.
Zum Glück verschwand mit dem Aufstehen auch das Kopfweh,
sodass ich mich ganz auf den Aufstieg konzentrieren konnte, der es in sich
hatte. Zwar technisch kaum anspruchsvoll, aber dafür ziemlich steil ging es
dauerhaft den Berg nach oben.
Nach zwei Stunden kehrte der andere Richard um, nach drei
Stunden machte auch Eal Schluss. Der Aufstieg wurde noch ein bisschen steiler.
Ab 5800 Metern brauchte ich alle zehn Höhenmeter eine Minute Verschnaufpause.
Trotzdem ging ich weiter. Wir kamen am Schnee an. Ich hatte Hunger und wollte
zwei Schokorosinen essen. Mir wurde schlecht und ich spuckte sie fast wieder
aus. Aus meinen Getränken war mittlerweile Eis geworden. Mit dem Pickel kämpfe
ich mich weiter. Ich brauchte mehr Pausen, alle fünf Meter, immer zwei Minuten.
Der Gipfel war noch nicht in Sicht.
„Wie hoch sind wir?“, fragte ich Adrian, mit dem ich ja
mittlerweile alleine unterwegs war. „Gleich auf 6000.“, antwortete er. Auf 6000
Metern angekommen, gab ich auf. Es fehlte die Kraft, außer dem Tee am Morgen
und den Schokorosinen hatte ich nichts zu mir genommen, außerdem fehlte die
Puste.
Da der Gipfel noch nicht in Sicht war, hörten wir an dieser
Stelle mit dem Aufstieg auf und stiegen ab. Ich war ganz schön müde, als wir
endlich wieder bei den Zelten ankamen und dann die drei Stunden zurück nach
Arequipa chauffiert wurden. Trotzdem ist es für mich ein Erfolg gewesen. Noch
nie war ich auf einer solchen Höhe.
Somit verließ ich Arequipa am Folgetag relativ glücklich in
Richtung Heimat Munaychay.
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